Sind Sportwetten wirklich am Wendepunkt?

 

Genau diese Frage stelle ich mir nach dem gestrigen Medien-Workshop “Sportwetten am Wendepunkt?” noch deutlicher als zuvor. Auf längere Sicht gesehen können wir natürlich von einem “Erdbeben der Stärke 7-8“ sprechen, doch gestern konnte ich keinen Ansatz zu einer “Wende” feststellen.
Warum ich dieser Meinung bin, kann ich sehr einfach begründen. Denn gestern, sowie in den Wochen zuvor stellten sich die Politik und Lotterievertreter stur und hatten brav Ihre – für Kompromisse unsichtbare – “Monopol-Brille” auf.

Bevor ich nun näher auf die Referenten und Vorträge eingehe, möchte ich dem Team von Dow Jones Newswires für eine rundum gelungene und gut organisierte Veranstaltung danken.
Ein zusätzliches Dankschön richtet sich an Herrn Michael Glebke, der mich zu diesem Workshop eingeladen hat.

Zunächst zu den Referenten und Teilnehmern:

Bereits nach wenigen Minuten des ersten Agenda-Punktes “Streitgespräch” wurde klar, dass die Mehrheit der Teilnehmer für eine Liberalisierung und einen geregelten Markt sprechen. Nach einem kurzen Blick in die Referenten- und Teilnehmerliste lies sich diese Vermutung bestätigen.

Oft wurden gute Argumente und Beiträge für einen geregelten Sportwetten-Markt mit einem kräftigem Applaus bestärkt. Die Zustimmung der Zuhörer konnte leider keiner der staatlichen Vertreter ernten. Angesichts der schwammigen, unvollständingen und nicht nachvollziehbaren Begründungen darf das auch kein Wunder sein.

Meines Erachtens wurde die Wahl der Referenten sehr getroffen. So wurde darauf wert gelegt, dass zu Diskussionspunkten die Anzahl der Vertreter von staatlicher und privater Seite stets ausgeglichen war.

Die Vorträge:

Zu den einzelnen Vorträgen möchte ich nicht so detailliert eingehen, wie es mein Kollege hier vom Sportwetten-Magazin gemacht hat. Dennoch möchte ich so gut wie jeden Punkt der Tagesordnung kurz anschneiden.

Mit einem Streitgespräch zum Thema “Ist der Staat der bessere Sportwettenanbieter?” wurde der Medien-Workshop eröffnet. Wir stellten sehr schnell fest, dass es der Staat nicht ist! Argumente wie, Arbeitsplätze, ein sich bildender Schwarzmarkt – um nur zwei Beispiele zu nennen – wurden von Herrn Sicking absichtlich nicht wahrgenommen oder unterbewertet.

Mit den Vorträgen zur wirtschaftlichen Betrachtung des Sportwetten-Marktes, Suchtgefahr und Prävention wurde die Gesamtsituation wieder deutlich sachlicher. Von der wirtschaftlichen Seite ist der Markt natürlich für beide Seiten sehr interessant, da die Entwicklungsprognosen von einem Wachstum von ca. 20-25 % ausgehen.
Der Vortrag zur Suchtgefahr und dem dazugehörigen Spielerschutz war in meinen Augen zu stark am Automaten- und Casino-Glücksspiel angelehnt und nicht in allen Punkten auf den Sportwetten-Bereich übertragbar.

Die absolut unnötig in die Länge gezogene Diskussionsrunde, ob private Sportwetten nun erlaubt oder verboten seien, machte Ihrem Untertitel “juristisches Chaos” alle Ehre. Von beiden Seiten wurde heftig argumentiert, man hat sich auf Urteile berufen, die bereits von einem anderen, höheren Gericht außer Kraft gesetzt wurden.

Um es einfach zu sagen, viel juristisches “Bla Bla”, was im Endeffekt insbesondere mir kaum geholfen hat. So wunderte es mich nicht, weshalb eine Frage gestellt wurde, warum man nicht bis zu einer endgültigen Entscheidung mit Schließungsverfahren und Verboten warten könne. Von staatlicher Seite gab es darauf natürlich genauso belanglose Antworten wie zuvor.

Um mich nicht weiter darin zu verstricken, gehe ich zu dem Punkt über, an dem die Vertreter des Sports zum Zuge kamen. Gänzlich lässt sich sagen, dass der Sport auf die staatlichen Gelder angewiesen sei. Wobei zu Beginn geklärt wurde, dass von dem Geld nicht viel bei den Sportvereinen ankommt. Anzunehmen war, dass die Lotterievertreter über diesem Punkt kein Wort verloren. Alle Referenten dieser Runde waren sich einig, dass eine geregelte Öffnung im Sportwetten-Markt der richtige Weg sei.

Zum schmunzeln bracht mich, als mich mein Nachbar Herr Hopfinger (digibet wetten.de AG) beim anschließenden Vortrag von Herrn Irsigler (Admiral Sportwetten AG), der über den Sportwettenmarkt in Österreich referierte, darauf hinwies, dass die Sitzreihe der staatlichen Vertreter wohl eine “Raucherpause” benötige.
Selbstverständlich, wenn ich mir Beiträge über eine mögliche Lösung in Deutschland nicht anhöre, kann ich auch nicht sagen, dass eine andere Lösung als ein Monopol in frage kommen würde. Nicht wahr Herr Sievers?

Zu guter letzt durften wir eine lebhafte und teils aggressive Enddiskussion erleben. Begonnen hat dies mit einem “Thesenpapier” welches von Herrn Sievers verteilt wurde. Auf dieses Dokument und in diesem Zusammenhang auf die abschließende Podiumsdiskussion werde ich zu einem anderen Zeitpunkt gesondert Stellung nehmen.

Schlusworte:

Ich habe Ihnen nicht sehr viel über den Inhalt der Tagung erzählt, da dies – wie bereits erwähnt – mein Kollege des Sportwetten-Magazins ausführlich genug abgehandelt hat.

In diesem Sinne auf ein baldiges Wiedersehen mit einem extra Beitrag über das “Thesenpapier” und der Podiumsdiskussion.

 

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